Chapter 286: Sie wird sich nicht einlassen? - Incubus Leben in einer Welt von Superkraft-Nutzern - NovelsTime

Incubus Leben in einer Welt von Superkraft-Nutzern

Chapter 286: Sie wird sich nicht einlassen?

Author: Anime_timez24
updatedAt: 2025-08-31

CHAPTER 286: SIE WIRD SICH NICHT EINLASSEN?

Sie blickte nicht über ihre Schulter. Sie unterbrach ihren Schritt nicht. Sie richtete nur den Kragen ihres Mantels mit einer kleinen, fast abwesenden Geste und ging weiter, ohne Eile, ruhig.

Aber etwas in der Art, wie ihre Schritte auf dem Boden aufkamen, hatte sich verändert. Nicht aus Erschöpfung. Nicht aus Angst. Nur... Nachdenken.

Nicht die Art von müßigem Verarbeiten, das Raum in einer ruhigen Nacht füllt, sondern die fokussierte Art.

Die Art, die Details aus einem halben Dutzend Fäden zusammenzog—eingeritzte und überschriebene Siegel, zu präzise platzierte Gebäude, Überwachung, die nicht blinzelte oder atmete, aber dennoch warm mit Präsenz wirkte.

Es war keine Paranoia, es war nicht einmal Verdacht.

Es war die Art, wie alles ein wenig zu gut zusammenpasste.

Nicht, dass sie in eine Falle gelockt wurde.

Aber auch nicht, dass sie davon weggelenkt wurde.

Einfach platziert.

Aufgestellt.

Kuratiert.

Und die Tatsache, dass ihre Instinkte nicht schrien—das war es, was sie wachsamer machte als alles andere.

Wer auch immer dahintersteckte, versuchte nicht, sie zu verscheuchen. Sie wollten, dass sie es bemerkt. Sie wollten, dass sie neugierig wird. Und jetzt war sie es.

Drei Blocks weiter verschob sich etwas Subtiles unter ihren Stiefeln.

Nicht genau ein Beben—eher wie die Erinnerung an ein Beben. Als hätte jemand von unten mit der Fingerspitze auf den Boden unter ihrem Fuß getippt, gerade stark genug, um zu sagen, wir sind hier.

Sie hielt an, nicht dramatisch, nur für einen Atemzug.

Dann hockte sie sich neben einen verrosteten Kanaldeckel, der seit der Reintegration keine Wartung mehr gesehen hatte.

Ihre behandschuhte Hand glitt langsam über die kalte Oberfläche, bis sie es spürte—eine dünne, abgewinkelte Rille, halb von Rost und Schmutz verschluckt.

Es gibt keine sichtbare Markierung. Kein Leuchten. Aber ihre Fingerspitzen nahmen es auf, und ihr Verstand erkannte das Muster.

Es ist kein Kultsiegel.

Eine Gegenmarkierung.

Jemand hatte sorgfältig die ursprünglichen Symbole ausradiert—die Art, die Schatten verzerrt und Treue zu toten Göttern schreit—und sie durch etwas Leiseres ersetzt—geometrisch, richtungsweisend, räumlich.

Ein Flüstern ist unter dem Druck von Linien statt Worten geschrieben. Man würde es übersehen, wenn man nicht wüsste, wie man es fühlen muss.

Sie atmete durch die Nase aus, das Geräusch fast lautlos in ihrer Maske. Dann, in das eingebaute Mikrofon, murmelte sie die Worte mehr zu sich selbst als zum System.

"Geschichtete Stadt. Geschichtete Wahrheit."

Sie stand auf. Bewegte sich weiter.

Über ihr, in einer Kommandostation hoch über dem öffentlichen Netz, neigte Velmora Nyx ihren Kopf leicht zur Seite.

"Sie passt sich an."

"Sie ist dafür ausgebildet", kam die leise Antwort des Agenten.

"Sie bleibt ruhig."

"Sie wird ruhig bleiben", sagte Velmora, ihre Stimme unlesbar. "Das ist ihre Natur. Aber sie nähert sich dem Linsenbereich."

"Blitz?"

Velmora wartete. Lang genug, dass ihre Stille wie Gewicht wirkte. Dann, schließlich: "Nein. Lass sie glauben, sie hätte ihn ausgelöst. Das wird sie tiefer führen als jeder Druck, den wir ausüben könnten."

Unten auf dem unteren Platz passierte Blasser Spiegel den Brunnen. Er war seit Jahren nicht mehr gelaufen—nur noch ein trockenes Becken, gefüllt mit Blattfäule und dem gelegentlichen Flackern von Halblichtern aus welchem System auch immer, das noch das Notfallnetz mit Strom versorgte. Sie hielt nicht an.

Aber das Licht darüber veränderte sich.

Nur leicht. Gerade genug, um die Oberfläche des Beckens zu einer Spiegelung zu verzerren.

Sie fing es aus dem Augenwinkel auf.

Eine Frau.

Die hinter ihr im Wasserspiegel stand.

Langes, dunkles Haar. Ein rotgesäumtes Gewand. Keine Maske. Keine Bewegung. Beobachtend.

Sie drehte sich nicht sofort um. Sie machte drei weitere langsame Schritte, dann drehte sie ihren Körper ohne Eile.

Nichts da.

Nur eine leere Gasse und Dämmerlicht.

Sie schaute zurück zum Wasser.

Die Spiegelung blieb.

Still. Ohne zu blinzeln. Immer noch beobachtend.

Für einen Moment stand sie einfach da. Ihre Augen fixierten nicht das Bild, sondern was es bedeutete.

Dies war keine Bedrohung.

Noch nicht.

Dies war Kontakt.

Oben bewegte sich Velmora nicht.

"Sie sieht das Signal."

"Sie wird nicht reagieren?" fragte der Agent.

Velmoras Antwort kam mit dem schwächsten Lächeln—kühl, kalkuliert, unvermeidlich.

"Nein. Nicht bis sie glaubt, es wäre ihre Idee gewesen."

Und in der Gasse wandte sich Blasser Spiegel vom Wasser ab. Ihr Atem blieb gleichmäßig, ihre Haltung entspannt. Aber etwas in ihrer Wahrnehmung hatte sich verändert.

Dies war kein Test mehr.

Es war ein Gespräch.

Eines, bei dem keine Partei laut gesprochen hatte.

Sie hörte auf, nach Siegeln zu suchen.

Sie begann, nach Absicht zu suchen.

Absicht hinterließ immer einen Rückstand. Hinterließ immer eine Spur—menschlicher als Technik, mehr Muster als Präsenz.

Ihre Schritte führten sie nach Osten, zum Marktrand. Nicht weil sie einkaufen wollte, sondern weil dieser Teil der Stadt so gestaltet war, dass er sich geschäftig anfühlte.

Gemütlich. Laut. Aber wenn man wusste, worauf man achten musste, war es zu symmetrisch. Zu präzise in seinem Chaos.

Sie ging an einem Nudelwagen vorbei, Dampf stieg aus den Töpfen. Im Hintergrund stritt jemand über Suppenpreise.

Zwei Stände weiter stritt ein Laden mit rotgetöntem Glas und verblassten Schildern ebenfalls über Suppenpreise.

Die Fenster waren von innen verspiegelt.

Sie hörte nicht auf zu gehen, aber sie verlangsamte—gerade genug, um den Winkel ihrer Spiegelung zu erfassen.

Hinter ihr—zwei Stühle. Einer besetzt. Eine Teetasse auf halbem Weg zu jemandes Lippen.

Still. Schweigend.

Keine Bewegung.

Sie ging weiter. Schaute nicht zurück.

Aber ihr Atem hatte sich verändert—kürzer jetzt, kontrolliert.

Sie beobachteten nicht mehr aus der Ferne.

Sie waren nah.

In Armreichweite.

Sie bog um eine Ecke und tauchte in eine alte Liefergasse ein, gesäumt von Kisten, die sich seit Jahren nicht bewegt hatten.

Sie war noch innerhalb des Stadtgebiets, aber abseits des offiziellen Netzes. Sie nahm ein Siegel von ihrem Gürtel, drückte es an die Seitenwand und wartete.

Kein Leuchten.

Aber die Ziegel verschoben sich. Falteten sich.

Sie trat hindurch und versiegelte den Eingang hinter sich.

Der Raum war klein, nicht größer als eine Ruhekabine für Agenten der alten Welt. Er hatte ein kahles Bett, einen Kistentisch und ein trockenes Waschbecken, aber die Stille darin fühlte sich echt an.

Sie legte ihre Maske auf den Tisch, setzte sich auf die Bettkante und ließ die Stille wirken.

Ein langsamer Atemzug.

Noch einer.

Fokus.

Nicht auf Geräusche. Nicht auf das Licht.

Auf Präsenz.

Es kam schwach—wie Atem neben ihrem Ohr, nur nicht ganz da.

Eine Präsenz knapp außerhalb der Wahrnehmungsgrenze.

Nicht wachsend.

Nicht verblassend.

Nur beobachtend.

Sie stand auf und überprüfte ihre Werkzeuge. Sie waren alle unberührt. Sie führte Diagnosen an ihren Siegelfäden durch. Es gab keine Korruption. Alles war stabil.

Es hätte sie beruhigen sollen.

Tat es nicht.

Eine Stunde später war sie wieder in Bewegung, zurück durch den alten Abwasserkanal, hinauf zu einer Nachtmarktmenge. Sie verweilte nicht.

Sie ging einfach, sich zwischen Touristen und Händlern bewegend, die Form des Lärms verfolgend statt des Inhalts.

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